Studium

Seit Oktober 2004 studiere ich Humanmedizin. Mein erstes Semester habe ich an der Justus-Liebig-Universität in Giessen absolviert. Danach habe ich die Uni gewechselt und studiere nun seit dem zweiten Semester an der Universität zu Lübeck. Durch den Wechsel habe ich leider ein Semester verloren (die Stundenpläne der Unis waren z.T. unterschiedlich). Da ich relativ häufig gefragt werde, wie das Studium denn nun eigentlich so abläuft und wann genau ich denn entscheiden muss in welche Fachrichtung ich gehen möchte etc., dachte ich mir ich gebe hier mal so eine Art F.A.Q. zu meinem Studiengang zum Besten.

1. Wie lange dauert das Studium?

Die Regelstudienzeit (also das Durchziehen des Studiums ohne jegliche Unterbrechungen) beträgt ca. 12 Semester (also ca. 6 Jahre). Dadurch, dass ich durch meinen Wechsel bereits ein Semester verloren habe, schaffe ich das natürlich nicht mehr. Meine Scheine habe ich bisher allerdings trotzdem alle beim ersten Anlauf geschafft.

2. Wie ist das Studium gegliedert und was genau bedeuten Vorklinik und Klinik?

Das Medizinstudium ist in zwei Abschnitte unterteilt:
a) Vorklinik
Der vorklinische Teil umfasst das erste bis vierte Semester. Hier werden die ganzen Grundlagefächer gelehrt, um den angehenden Ärzten ein entsprechendes Basiswissen mit auf den Weg zu geben, bevor man sie im klinischen Abschnitt so langsam “auf die Menschheit loslässt”.
Die Studenten dürfen sich dann mit folgenden drei großen Haupt-Fächern befassen:
  • Anatomie/Histologie (Neben den Vorlesungen beinhaltet hier die Lehre auch den berühmt-berüchtigten Präparierkurs (“Präp-Kurs”), in welchem die Studenten an Leichen die anatomischen Gegebenheiten des Menschlichen Körpers erfahren und selbständig (unter Anleitung) präparieren müssen.)
  • Physiologie (Neben den Vorlesungen gibt es auch hier einen begleitenden Kurs, in welchem praktische Übungen zu den theoretischen Grundlagen ausgeführt werden.)
  • Biochemie (Auch hier gibt es vorlesungsbegleitend einen Kurs, in dem die Studenten fleißig pipettieren, rechnen, Ewigkeiten inkubieren und nochmals pipettieren dürfen. Erwähnte ich schon das Pipettieren? Die Biochemie spaltet wohl die Studentenschaft: Den wenigsten fällt dieses Fach in den Schoß (aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen!) und auch ich gehörte zu denjenigen, die immer wieder nur Bahnhof verstanden haben. Aber: Auch die Biochemie ist schaffbar!)
  • Neben den Hauptfächern gibt es noch einige kleinere Nebenfächer (die vielleicht “kleiner” aber deshalb nicht unwichtig sind!):
  • Physik (Vorlesung inklusive Kurs)
  • Chemie (Vorlesung inklusive Kurs)
  • Biologie (Vorlesung inklusive Kurs)
  • medizinische Psychiologie/Soziologie (Vorlesung + Seminar)
  • Berufsfelderkundung (Seminar)
  • Terminologie (Vorlesung)
  • Einführung in die klinische Medizin (Vorlesung mit Patientenvorstellungen + sog. “Fummelkurs”)
  • Wahlfach (Ein Wahlfach ist - wie der Name schon sagt - die Wahl des Studenten. Je nach Angebot muss mindestens ein Wahlfach abgeleistet werden. Ich hatte z.B. ein Wahlfach mit dem wohlklingenden Titel “Molekularbiologie und Therapie endokriner Erkrankungen”.)

  • In all diesen Fächern müssen sog. “Scheine” gesammelt werden. Um den Schein für ein Fach zu bekommen, muss man an den Kursen regelmäßig und erfolgreich teilgenommen und auch die entsprechenden Klausuren der einzelnen Fächer bestanden haben. Diese Scheine stellen also einen Leistungsnachweis dar und sind z.T. auch benotet. Zusätzlich müssen alle Studenten ein 90 tägiges Pflegepraktikum absolvieren (was mir durch meine Ausbildung als Kinderkrankenschwester erspart geblieben ist ) und einen Kurs in Erster Hilfe ableisten. Hat man all diese Punkte abgearbeitet und alle Scheine beisammen, steht auch schon die erste große Prüfung an: Der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung (früher: Physikum). Das Physikum gliedert sich in einen mündlichen/praktischen Teil (Anatomie, Physiologie, Biochemie) und einen schriftlichen Teil (über zwei Tage - Chemie, Physik, Biologie, Psychologie/Sozialmedizin, Anatomie, Biochemie, Physiologie).
    Hat man diesen monströsen Lern-Berg erstmal geschafft geht es weiter mit dem klinischen Abschnitt!

    b) Klinik
    Nach dem Physikum wird alles besser... Naja, vielleicht hat man etwas mehr Freizeit, aber weniger wird der Lernstoff meiner Meinung nach nicht.
    Auch im klinischen Abschnitt hat man jede Menge Fächer, welche zwecks Scheinerwerb erfolgreich abgeschlossen werden müssen. Da ich ja selbst erst mit dem klinischen Abschnitt begonnen habe, kann ich natürlich nur wirklich etwas zu den Fächern sagen, die ich bereits hatte. Der Vollständigkeit halber zähle ich den Rest aber auch mit auf:
  • Hygiene/Mikrobiologie/Virologie (Vorlesung und Kurs mit praktischen Übungen. Hat mir persönlich viel Spaß gemacht. Auch wenn die mündliche Prüfung zum Abschluss ziemlich stressig war.)
  • Klinische Chemie/Laboratoriumsdiagnostik (Vorlesung und Kurs mit praktischen Übungen. Ganz interessant und sicherlich nicht unwichtig!)
  • Pharmakologie/Toxikologie (Vorlesung + Seminar. Nicht ganz einfach, aber es kann einem ja nicht alles liegen.)
  • Pathologie (Vorlesung und Kurs + Seminar. “Kalte Platte” am Morgen...)
  • Humangenetik (Vorlesung - das reichte aber auch...)
  • Bildgebende Verfahren/Strahlenbehandlung/Strahlenschutz (Vorlesung und Kurs. Interessant!)
  • Notfallmedizin (Kurse)
  • Geschichte/Theorie/Ethik der Medizin (Vorlesung + Seminar. Man könnte es teilweise wirklich spannender gestalten...)
  • Chirurgie (Vorlesung und Blockpraktikum. Sehr interessant. Blockpraktikum war super! Hakenhalten ist gar nicht so unspannend. )
  • Augenheilkunde (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Dermatologie/Venerologie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Frauenheilkunde/Geburtshilfe (Vorlesung und Blockpraktikum. Spannend. Blockpraktikum folgt nächstes Semester.)
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Innere Medizin (Vorlesung - teilweise mit Patientenvorstellung - und Blockpraktikum. Interessant und "very important". Blockpraktikum folgt nächstes Semester.)
  • Kinderheilkunde (Vorlesung und Blockpraktikum. Nett. Blockpraktikum folgt nächstes Semester.)
  • Allgemeinmedizin (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Anästhesiologie (Vorlesung und Blockpraktikum. Sehr interessant. Blockpraktikum war super strukturiert und lehrreich!)
  • Arbeitsmedizin/Sozialmedizin (Blockpraktikum - Sicherlich nicht unwichtig, aber bzgl. der Gestaltung des Seminars halte ich mich mal bedeckt....)
  • Neurologie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Orthopädie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Psychiatrie und Psychotherapie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Rechtsmedizin (Vorlesung und Blockpraktikum. Sehr, sehr interessant. Blockpraktikum war leider zu kurz - aber toll!)
  • Urologie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Epidemiologie/medizinische Biometrie und medizinische Informatik (Einwöchiges Seminar: Matheunterricht lässt grüßen. Aber ich habs geschafft!)
  • Gesundheitsökonomie/Gesundheitssystem/öffentliche Gesundheitspflege (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Infektiologie/Immunologie (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Klinisch-pathologische Konferenz (Bisher noch nicht gehabt - Kommt aber im nächsten Semester.)
  • Klinische Umweltmedizin (Wir hatten das ganze im Rahmen einer POL-Veranstaltung (POL = Problem orientiertes Lernen). Naja, war ok.)
  • Medizin des Alterns und des alten Menschen (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Klinische Pharmakologie/Pharmakotherapie (Vorlesung - teilweise mit Patientenvorstellung. Interessant!)
  • Prävention/Gesundheitsförderung (Bisher noch nicht gehabt.)
  • Rehabilitation/Physikalische Medizin/Naturheilverfahren (Bisher noch nicht gehabt.)
  • und wieder ein Wahlfach. (Bisher noch nicht gemacht, aber ich habe eins in Aussicht.)

  • Ganz schön viel was? Wie bereits erwähnt müssen wieder entsprechende Leistungsnachweise erbracht werden. Zusätzlich muss jeder Student im klinischen Abschnitt in der unterrichtsfreien Zeit (sprich: in den Semesterferien) sog. Famulaturen ableisten. Famulaturen sind im Prinzip Praktika in Arztpraxen und Krankenhäusern und müssen insgesamt 120 Tage umfassen. Neben den Famulaturen bekommen die Studenten praktische Einblicke durch sog. Untersuchungskurse und Blockpraktika zu unterschiedlichen Fachbereichen. Zuletzt folgt dann im letzten Studienjahr das sog. Praktische Jahr (PJ). Im PJ arbeitet der Student unter Anleitung am Patientenbett mit und erwirbt somit weitere Erfahrungen im Klinikalltag. Dabei wird auch das PJ wieder in drei unterschiedliche Abschnitte eingeteilt (jeweils 16 Wochen Innere Medizin, Chirurgie und ein Bereich nach Wahl). Am Ende des klinischen Abschnittes steht dann der zweite Abschnitt der ärztlichen Prüfung (oder auch “Hammerexamen”). Auch hier gibt es wieder einen mündlich/praktischen und einen schriftlichen Teil. Hat man all dies erfolgreich hinter sich gebracht, darf man sich endlich als Arzt bezeichnen!

    3. Wie ist das mit der Doktorarbeit? Oder bekommt man den Dokortitel automatisch?

    Den Doktortitel bekommt man leider nicht geschenkt. Um sich Dr. med. nennen zu dürfen muss man eine Doktorarbeit (sog. Dissertation) schreiben. In Deutschland ist eine Doktorarbeit jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Man kann also das Studium mit dem Hammerexamen abschließen und nach Erhalt der Approbation ganz normal als Arzt arbeiten.
    Ich für meinen Teil möchte jedoch eine Doktorarbeit schreiben und wir haben mit den entsprechenden klinischen Versuche bereits begonnen. Thema: “Stress-Fressen”. Es macht viel Spaß und wir hatten sogar bereits zweimal Besuch vom Fernsehen (WDR, ARTE).
    Link zur Forschergruppe: Selfish Brain

    4. Und wie werde ich nun Herzchirurg?

    Wenn man nun für sich den Weg des Chirurgen auserkoren hat, muss man nach erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums eine Weiterbildung zum Facharzt für Chirurgie machen. Dies gilt aber nicht nur für die Chirurgen, sondern auch für jede Menge andere Fachgebiete wie z.B. die Kinderheilkunde, Frauenheilkunde, Innere Medizin, Rechtsmedizin etc. So eine Facharztausbildung dauert dann allerdings auch im Schnitt noch ca. 5-6 Jahre. Je nach Facharzt kann die Dauer variieren: Eine Weiterbildung zum Herzchirurgen z.B. dauert ca. 6 Jahre, die zum Rechtsmediziner 5 Jahre.

    5. Und wie schaut die Reniiiii im Kittel aus?

    Da ich das schon häufiger gefragt wurde, gibt es an dieser Stelle ein Bild von mir in weiß.
    Die Aufnahme entstand allerdings nicht im Krankenhaus, sondern bei mir zu Hause.

    Frau Dr. Reni ^^

    6. Weiterführende Links

    Okay. Ich denke das reicht erstmal.
    Wer allerdings noch mehr wissen möchte, dem empfehle ich folgende Internetseiten:
  • Medizinstudent.de
  • Medi-Learn.de
  • Viamedici online
  • Bundesärztekammer.de